„Ich muss nicht jeden Mist machen!“
Coaching - bevor es zum „Burn out“ kommt.

Zur Vorgeschichte: Nach einem Seminar „Kommunikation in unserem Team“ kam die Personalleiterin auf mich zu und schilderte mir den Fall einer Angestellten der Vertriebsabteilung. Die Mitarbeiterin, Frau Klein* sei seit mehr als zehn Jahren im Betrieb beschäftigt und galt bisher die Seele des Betriebs mit ca. 100 Mitarbeitern in der Medizintechnik. In letzter Zeit verändert sie sich stark. Ihr Kommunikationsverhalten wird immer aggressiver und Ihre Kommentare gehen manchmal unter die Gürtellinie, so dass sich andere Mitarbeiter bereits beschweren. Sie hat einige schwerwiegende Fehler gemacht und einen Großkunden fast vergrault, was gar nicht zu ihr passt.
Die Personalleiterin vermutet einen beginnenden Burnout und hat der Mitarbeiterin Frau Klein ein Coaching bei mir angeboten.
Frau Klein kommt völlig unter Dampf zu mir, sie zeigt eine starke Abwehrhaltung, obwohl sie selbst dem Coaching zugestimmt hat. Sie empfindet das Coaching nicht als Anerkennung ihrer Leistungen und Sorge der Chefin, sondern meint, dass man sie nun auch noch zum Psychoklempner schicken würde… Ich kann sie soweit beruhigen, dass das Gespräch völlig vertraulich sei und dass ich keinen Auftrag habe, was nach dem Coaching passieren soll. Es ist ihre Zeit und sie kann den Inhalt des Coachings selbst bestimmen.
Nach einem längeren Gespräch wird klar, dass sich Frau Klein am Ende ihrer Kräfte befindet und sie eigentlich nicht mehr rational und sachlich nachdenken kann, sie motzt und beklagt sich nur noch und redet von “die Brocken hinschmeißen..“ – „die sollen doch schauen, wie sie klarkommen….“ und bricht fast in Tränen aus.
Ich schlage ihr eine Übung aus dem NLP (neurolinguistisches Programmieren) vor, um etwas mehr Klarheit in ihre momentane Lage zu bringen und um herauszufinden wie man ihr helfen kann.
Die Übung „Logische Ebenen“ nach Robert Dilts, wird im Gehen durchgeführt, es gibt mehrere Stationen, bei denen gestoppt wird: Umwelt, Verhalten, Fähigkeiten, Glaubenssätze, Selbstbild, Zugehörigkeit, Vision.
Bei jeder Station stelle ich entsprechende Fragen zum IST-Zustand, gleich im Anschluss Fragen zur Annahme einer veränderten Situation. (Siehe Kasten)
Nach der Übung entscheidet sie deutlich für den Verbleib in der Firma, wobei sie für sich geklärt hat, was sie stört und dass ihr insbesondere ihre hilfsbereite Art viele Sonderaufgaben beschert hat, die sie inzwischen nicht mehr leisten kann. Der Geschäftsleitung weiß gar nicht, welche Fülle von Zusatzaufgaben Frau Klein inzwischen erledigt und kann daher auch keine Anerkennung aussprechen – im Gegenteil man wundert sich, warum sie Fehler macht.
Bei einem zweiten Termin erarbeiten wir zusammen was genau an ihrem Arbeitsplatz geändert werden kann, um einen drohenden Burnout abzuwenden und strukturieren das Gespräch mit der Geschäftsleitung vor. Frau Klein arbeitet noch immer in der Firma.
*Name geändert